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Was macht ein Heilpraktiker?

Was macht ein Heilpraktiker?

Als ich zu meiner Berufung gefunden und die Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert habe, wurde ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder gefragt “Was macht man denn so als Heilpraktiker?”.

Mir ist gar nicht bewusst gewesen, dass viele Menschen nicht wissen was ein Heilpraktiker macht und wann man zum Heilpraktiker geht. Oft wurde ich damit konfrontiert, dass Heilpraktiker ja nur mit Globuli um sich werfen, “die natürlich nichts bringen”. Also durfte ich immer wieder die Gelegenheit nutzen, aufzuklären was die Naturheilkunde bedeutet und was ich so als Heilpraktikerin mache.

Was steckt hinter dem Beruf "Heilpraktiker"?

In Deutschland gibt es nur zwei selbstständig und eigenverantwortlich tätige Heilberufe: der approbierte Arzt und der zugelassene Heilpraktiker. Nur diese beiden dürfen eine Diagnose stellen und daraufhin eine eigenständige Behandlung durchführen. Die hauptsächlichen Unterschiede zwischen beiden Berufen liegen in der Ausbildung, dem Abschluss, der Befugnisse und der Abrechnung.

Ein Heilpraktiker muss, wie auch ein Arzt, grundlegendes Wissen über den menschlichen Körper haben um Krankheiten zu diagnostizieren und Notfälle erkennen zu können. Dieses Wissen wird in einer Prüfung durch das Gesundheitsamt abgefragt. Mehr dazu unter dem Punkt “Wie kann ich Heilpraktiker werden?”.

Als Heilpraktikerin führe ich mit jedem neuen Patienten beim ersten Termin ein ausführliches Gespräch. Das nennt man Anamnese. In diesem Gespräch erhalte ich wichtige Informationen über den Gesundheitszustand und über die aktuelle Lebenssituation. Durch diese Befragung und eine körperliche Untersuchung, kann ich schon eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Ein weiterer nützlicher Hinweis um herauszufinden was dem Patienten fehlt, ist die Untersuchung des Blutes durch ein Labor. Nachdem die Diagnose gestellt ist, bespreche ich mit dem Patienten den weiteren Therapieablauf. Diese Behandlung ist, in der Art und Dauer, ganz nach Diagnose und Gesundheitszustand des Patienten unterschiedlich. 

Neben der Möglichkeit mir ausreichend Zeit zu nehmen um den Patienten mit seinen Beschwerden kennenzulernen, gibt es im Gegensatz zum Arzt einige Unterschiede in der Behandlung bzw. Therapie. In der Schulmedizin werden Diagnose- und Therapieverfahren genutzt die an den Universitäten gelehrt werden. Diese zielen darauf ab, schnell die Symptome zu beseitigen. In der Naturheilkunde werden Verfahren genutzt die nicht immer schulmedizinisch anerkannt, dafür aber schon seit Jahrhunderten erfolgreich angewendet werden. Wir Heilpraktiker therapieren nicht nur dort wo es schmerzt, sondern betrachten den Menschen ganzheitlich. Mit ganz individuell abgestimmten Ansätzen arbeiten wir gemeinsam mit dem Patienten daran, die Ursache der Beschwerden zu finden und die Selbstheilungskräfte des Körpers wieder zu aktivieren.

Wann gehe ich zum Heilpraktiker?

Die meisten Patienten eines Heilpraktikers sind Menschen die an chronischen Erkrankungen leiden. Oft sind sie schon eine lange Zeit bei einem oder mehreren Ärzten in schulmedizinischer Behandlung, wo ihnen aber nicht mehr weiter geholfen werden kann. Sie sollen ein Leben lang Medikamente einnehmen und mit ihren Beschwerden leben. Manch einer fühlt sich im Stich gelassen oder nicht ernst genommen. Andere leiden unter den Nebenwirkungen ihrer Medikamente die sie täglich einnehmen müssen.

Häufig sind die Patienten eines Heilpraktikers z.B. Menschen die seit vielen Jahren Medikamente gegen Bluthochdruck oder andere Beschwerden einnehmen, aber trotzdem weiterhin Beschwerden haben. Regelmäßig wird das Rezept eingelöst, aber selten weiter nach der Ursache gesucht. Neben rheumatischen Beschwerden (rheumatiode Arthritis, Fibromyalgie, Arthrose,….) kommen immer wieder auch Magen-Darm-Erkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa,…), Allergien, Hormonelle Störungen, Hauterkrankungen, Immunschwächen etc. in der Naturheilpraxis vor.

Hier gibt es nur wenige Grenzen. Diese Grenzen beginnen bei Infektionskrankheiten, deren Behandlung uns gesetzlich verboten ist und natürlich Notfällen, die entsprechend ärztlich versorgt werden müssen.

Dann gibt es auch noch Menschen, die proaktiv etwas für ihre Gesundheit tun möchten und sich beim Heilpraktiker Unterstützung in der Ernährungsberatung, beim Fasten oder für Entgiftungskuren einholen.

Wer also nicht akzeptieren möchte mit seinen Beschwerden weiterhin leben zu müssen oder daran glaubt, dass es noch eine Alternative gibt, findet den Weg zu einem Heilpraktiker.

Auf was spezialisiert sich ein Heilpraktiker?

Als Heilpraktiker kann man sich auf bestimmte Erkrankungen spezialisieren oder auf bestimmte Behandlungsmethoden. Muss man aber nicht. Ich finde das Tolle an diesem Beruf ist, dass man sich ein unglaublich großen Wissen aneignen kann, um sowohl bei Erkältungskrankheiten, als auch bei chronischen Einschränkungen des kompletten Körpers eine Möglichkeit finden kann den Betroffenen auf natürlichem Weg bei der Genesung zu unterstützen.

Spezialisiert man sich auf bestimmte Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Migräne, Schilddrüsenerkrankungen, Allergien u.v.m., ist man ein Experte auf diesem Gebiet und kann hier mit den Behandlungsmethoden therapieren in denen man fachlich ausgebildet ist und gute Erfahrungen sammeln konnte.

Ich möchte hier einmal einen Überblick einiger von unzähligen Behandlungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde geben. Einige davon werden Sie bestimmt noch nie gehört haben, Andere kennen Sie vielleicht sogar von Ihrem Hausarzt.

Akupunktur, Homöopathie, Schröpfen, Baunscheidt-Verfahren, Blutegel-Therapie, Aderlass, Bachblüten, Biochemie nach Schüßler, Fußreflexzonentherapie, Heilfasten, Homotoxikologie, Hydrotherapie, Hypnosetherapie, Massagetherapien, Phytotherapie, Bioresonanz-Therapie, Spagyrik, Spenglersan-Therapie, Neuraltherapie, Osteopathie, Orthomolekulare Therapie……und so viele mehr. Das ist nur ein Bruchteil von den tollen Verfahren die uns die Naturheilkunde bietet wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Was macht ein Heilpraktiker

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden?

Auch wir Heilpraktiker müssen uns an gewisse Gesetze bei der Behandlung unserer Patienten halten. Gesetze wie z.B. das Infektionsschutzgesetz, Zahnheilkundegesetz oder das Hebammengesetz zeigen ganz klar unsere Grenzen. Im Infektionsschutzgesetz ist z.B. geregelt bei welchen Erkrankungen der Heilpraktiker ein Behandlungsverbot hat. Dies gilt auch schon bei Verdacht auf diese Erkrankung. In solchen Fällen verweisen wir den Patienten sofort an einen Arzt.

Sollten wir bei einer Untersuchung feststellen, dass Gefahr droht durch z.B. plötzlich auftretende Sehstörungen oder Taubheitsgefühle bestimmter Körperregionen, wird der Patient ebenfalls sofort zur weiteren Untersuchung zu einem Arzt geschickt um eventuelle nicht mehr heilbare Folgen zu verhindern.

Oft sind auch ein Röntgen, MRT, CT oder andere so genannte bildgebende Verfahren notwendig um Notfälle auszuschließen und eine gezielte Therapie durchführen zu können. Ein verantwortungsbewusster Heilpraktiker lässt potenzielle Risiken immer von einem Arzt ausschließen, bevor er mit der Behandlung beginnt.

Und natürlich wählen auch wir bei Notfällen den Notruf.

Wie kann ich Heilpraktiker werden?

Jeder der sich berufen fühlt mit Menschen zusammen zu arbeiten, ihnen zu helfen und sich der Naturheilkunde verbunden fühlt, hat die Möglichkeit Heilpraktiker zu werden.

Leider gibt es noch keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Heilpraktiker, sodass man an einer Privatschule auf eigene Kosten eine Ausbildung absolvieren kann. Ich sage hier bewusst “kann”, da dies keine Voraussetzung für die Prüfung ist. Jemand mit ausreichend medizinischen Kenntnissen, z.B. aus dem Gesundheitswesen, hat ebenfalls gute Chancen die Prüfung beim Gesundheitsamt zu bestehen. Naturheilkundliche Kenntnisse sollten natürlich noch zusätzlich erworben werden.

In der Ausbildung zum Heilpraktiker lernt man Grundlagen zur Anatomie, Physiologie und Pathologie des menschlichen Körpers. D.h. wie ist der Körper aufgebaut von der Zelle über die Organe, Gewebe, Muskeln bis hin zum Skelett, welche Aufgabe haben diese Körperteile und was steckt hinter unzähligen Erkrankungen unseres Körpers. Dies ist unheimlich komplex und wir werden wohl nie alle Mechanismen des Körpers entschlüsseln können.

Dieses Wissen ist sehr wichtig um die Erkrankung des Patienten zu verstehen und entsprechend therapieren zu können. Weiterhin sollte man die Gesetze kennen an die man sich als Heilpraktiker halten muss und natürlich ein gewisses Grundwissen zur Naturheilkunde und ihren verschiedenen Therapiemöglichkeiten haben. Die Prüfung, unterteilt in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil, wird dann beim zuständigen Gesundheitsamt abgelegt. Besteht man diese, erhält man eine Urkunde mit der “Erlaubnis, die Heilkunde ohne Bestallung berufsmäßig auszuüben”. Die Wortwahl entsteht noch aus dem Heilpraktikergesetz von 1939.

Und dann kommt der schwierige Teil. 🙂 Denn anders als beim Hausarzt stehen die Patienten i.d.R. nicht sofort Schlange vor der Tür, was wohl vor allem daran liegt, dass die Kosten für die Behandlung beim Heilpraktiker leider nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Wer sich also als Heilpraktiker selbstständig machen möchte, sollte auch die Geduld mitbringen können dran zu bleiben, bis die Menschen in der Umgebung erfahren haben, dass sich ein Heilpraktiker ganz in ihrer Nähe befindet.

Dieser Beruf ist nach meiner Meinung eine Berufung. Wer wirklich mit Herz und Leidenschaft dabei ist Menschen zu unterstützen ihre Selbstheilungskräfte wieder zu aktivieren, und die Neugierde um das unendliche Wissen der Naturheilkunde und dem menschlichen Körper erhält, wird seine Freude in diesem Beruf finden, so wie auch ich.

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